ich habe meinen Mess-Sender EP4/U von Neuwirth Hannover wieder flottgemacht. Mindestens bei der Informationsbeschaffung scheint der eine Rarität zu sein, ich hatte am Schluss lediglich Infos eines ähnlichen Geräts gefunden. Der Sender ist AM- und FM-modulierbar, sowohl intern mit einem 1kHz-Signal als auch mit einer externen Quelle, und es gibt die Frequenzbereiche 4.9-6MHz, 9.5-12MHz, 20-114MHz (unterteilt in mehrere Bereiche) sowie 156-225MHz, also alle gängigen FM- und TV-Zwischenfrequenzen und die VHF-TV- sowie UKW-Rundfunkbereiche. Äusserlich ist das Gerät in einem ganz ordentlichen Zustand, bei Gelegenheit wird es noch gereinigt. Hier fallen schon die liebevoll angenieteten, gravierten Schilder auf. Die originale 60-Ohm-Koaxbuchse hatte der Vorgänger bereits durch eine BNC-Buchse ersetzt, was ganz praktisch ist, wenn auch nicht gerade schön... Die Gummifüsse waren arg brüchig, daher habe ich sie gleich ersetzt. Die Ausgangsspannung lässt sich von 10uV..30mV stufenlos einstellen, zudem gibt es noch einen 1:10-Abschwächer.
Detail Frequenzeinstellung: Der Acrylglas-Zeiger hat auf beiden Seiten eine schwarze Markierung, um Ablesefehler zu vermeiden. Schaut man gerade darauf, sieht man nur einen Strich, bei (fehlerhafter) schräger Sicht sieht man zwei, ähnlich der Spiegelskala bei Multimetern.
Im Innern ist dank fehlender Lüftungslöcher noch alles sauber, lediglich auf dem Gehäuseboden hatten sich zwei Rosthaufen gebildet, da der darüberliegende NF-Übertrager arg gerostet hat. Da er aber noch funktioniert, habe ich ihn so gelassen. Sowohl der Aufbau als auch die Verdrahtung sind auffallend sorgfältig ausgeführt, alle Schrauben mit Lack gesichert, alle Blechteile lackiert (ausser den Kontaktflächen) sowie die NF-Verdrahtung schön rechtwinklig und die Drähte in Isolierschläuchen zusammengefasst. Sicht auf das Netzteil und den Modulator, die beiden Elkos waren nach Formierung sehr gut, rechts daneben die beiden Glimmstrecken-Stabilisatoren, der Selen-Gleichrichter (ebenfalls sehr gut) und der Netztrafo, davor die Siebdrossel, welche Rost angesetzt hatte und die ich oberflächlich gereinigt habe. Vorne links die EC92 vom 1kHz-Generator, im Hintergrund das Gehäuse des Oszillators.
Der Oszillator samt Puffer ist in einem geschlossenen Gehäuse untergebracht:
Im Innern sieht man die EC92 für den Oszillator, davor die EF80 für die Reaktanz-Stufe (FM-Modulator) sowie darunter die E180F, die als breitbandiger Pufferverstärker geschaltet ist. Da diese Röhre stark übersteuert wird, hat das Ausgangssignal einen hohen Oberwellenanteil. Über der EC92 und der EF80 ist der Abstimm-Drehko, ein 4-fach-Kondensator für die verschiedenen Bereiche. Die grosse Blechkiste ist die Bereichsumschaltung, neben den Spulen wird hier auch der Spannungsteiler für die Frequenzmodulation umgeschaltet, damit der Frequenzhub für alle Bereiche stimmt, eine ziemlich aufwendige Angelegenheit.
Unterseite des Netzteil-Chassis: Die Bauteile sind säuberlich auf einer Pertinaxplatte montiert. Die goldenen Kondensatoren waren alle faul, daher habe ich sie ersetzt. Hier sieht man auch den ziemlich rostigen NF-Übertrager, daneben gibt es noch einen zweiten NF-Trafo für den NF-Ozsillator, der neuwertig aussieht. Die EF80 hier ist die Ausgangsstufe, hier findet auch die Amplitudenmodulation statt. In der Abschirmhaube befindet sich eine EAA91, welche die HF für die Messung gleichrichtet, rechts davon ist der Abschwächer, das HF-Signal kommt von oben durch den Rohrstummel. Unten rechts befindet sich der schaltbare Abschwächer 1:10. Oben links ist noch das Netzfilter, desssen Y-Kondensator sich mit dem FI-Schalter angelegt hatte und deshalb ebenfalls ersetzt wurde.
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Hallo HB9, das Gerät könnte, wenn es noch korrekte Werte liefert, wunderbar zum Abgleich meines Antennentestgeräts http://www.wumpus-gollum-forum.de/forum/...t-54_120_6.html dienen. Wie ist im Messsender technisch die stufenlose Einstellung der HF Ausgangsspannung an konstant Imp 60 Ohm bis herunter zu 10 µV gelöst? Gruß, Jan
die stufenlose Abschwächung ist eine kapazitive Kopplung mit einstellbarer Abschirmung. Im zweitletzten Bild sieht man das Gebilde mehr oder weniger gut oben rechts (das graue waagrechte Rohr mit dem senkrechten Schlitz rechts). In diesem Rohr hat es links und rechts vom Schlitz eine isolierte senkrechte Platte, und dazwischen kommt die geerdete, verstellbare Platte durch den Schlitz (im Bild ganz eingedreht und daher kaum sichtbar). Die linke Platte ist dabei mit dem Ausgang der HF-Pufferstufe verbunden (Signal kommt von oben durch das Rohr) und die rechte Platte ist mit dem Steuergitter der EF80 für den Ausgangsverstärker verbunden. Je nachdem, wie weit nun die geerdete Platte eingeschoben ist, ist die Kopplung zwischen den beiden feststehenden Platten kleiner oder grösser und so kann die Abschwächung stufenlos eingestellt werden. Durch die richtige Form der beweglichen Platte ergibt sich die logarithmische Skala. Da dies ein rein kapazitiver Spannungsteiler ist, ist der Teilfaktor frequenzunabhängig. Die Impedanz ist natürlich frequenzabhängig, daher wird die Spannung von der Pufferstufe auch gemessen und auf den Sollwert eingestellt, damit die Skalierung stimmt. Damit die Belastung der Quelle möglichst wenig von der Abschwächerstellung abhängt, ist der Abstand der linken Platte zur beweglichen relativ gross, was eine entsprechend hochohmige Kopplung bedeutet.
Es gibt auch induktive Spannungsteiler, welche eine bewegliche Spule haben, wie z.B. in meinem Marconi TF801, der hat den fast unglaublichen Einstellbereich von 120dB (das ist 0.1uV .. 1V) ohne Umschalten, während dieser hier "nur" 70dB Einstellbereich hat (und die 20dB durch den Umschalter).
Die konstante Ausgangsimpedanz ist hier sehr einfach gelöst: Nach dem stufenlosen Abschwächer folgt mit der EF80 eine Pufferstufe. Der schaltbare 10:1-Abschwächer dagegen ist direkt am Ausgang als Widerstandsteiler ausgeführt, der auch in beiden Abschwächer-Stellungen für die korrekte Ausgangsimpedanz sorgt (und einen recht hohen Signalverlust bewirkt, da die Anpassung rein ohmsch mit Widerständen erfolgt).
Der Abschwächer selber ist sehr genau. Ich habe ihn mit dem Spektrum Analyser nachgemessen, die relative Toleranz war weniger als 1dB. Die absoluten Spannungswerte sind wegen der durch die Übersteuerung asymmetrisch verzerrten Kurvenform eine Interpretationsfrage, aber wenn man sie in dB ansieht, stimmt es auch absolut recht gut, und vor allem sind die Werte frequenzunabhängig.
Für den Abgleich deines Messgerätes ist der natürlich gut geeignet, sofern die Frequenzbereiche stimmen. Dafür ist er ja auch gedacht... z.B. für die Kalibration von Mess-Empfängern oder besseren Amateurfunkempfängern.
Hallo HB9, vielen Dank für die ausführliche Antwort. Es beindruckt mich, wie relativ genau die Verhältnisse über einen so großen Pegel-Bereich sind. In meinem Testgerät (UKW, VHF, UHF) ist nur ein Schalter mit 20 dB Abschwächer, mit rein ohmsch zwischengeschaltetem T-Glied drin. Gruß, Jan
die Genauigkeit ist nicht einmal die grösste Herausforderung, das ist "nur" Geometrie und kann somit gerechnet werden. Die grössere Herausforderung bei einem grossen Einstellbereich ist die, dass die HF nur den vorgesehenen Weg geht, was naturgemäss vor allem bei hohen Frequenzen mit Aufwand verbunden ist. Hier merkt man auch die Unterschiede. Während bei meinem Marconi bei minimal eingestelltem Pegel (0.1uV) auch mit einem superempfindlichen SSB-Empfänger nur ein schwaches Signal feststellbar ist und unabhängig vom Signalpegel ausser am HF-Ausgang nirgends HF nachzuweisen ist, ist der EP4/U nicht so dicht (reicht aber für die meisten Dinge trotzdem). Der Unterschied macht sich unter Anderem im Gewicht bemerkbar: Während der EP4/U etwa 10kg auf die Waage bringt, sind es beim Marconi über 30kg!
Hallo HB9, was Gewicht und HF-Abschirmung angeht, kann mein Gerät da absolut nicht mithalten, es bringt nur rund 2 kg auf die Waage und die HF des Oszillators dringt auch ohne Antenne am Eingang beträchtlich nach außen!
Sobald ZF entsteht, wobei für UKW eine Krokoklemme als Antenne reicht, kann ich diese - und darüber verzerrt den Sender - in einem daneben gestellten Transistorempfänger auf Langwelle hören...