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Warum funktioniert diese primitive UKW-Zimmerantenne erstaunlich gut?
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28.08.26 20:38
Volker 

500 und mehr Punkte

28.08.26 20:38
Volker 

500 und mehr Punkte

Warum funktioniert diese primitive UKW-Zimmerantenne erstaunlich gut?

Hallo zusammen,

bei mir steht im Keller ein Luxor Applåd. Der UKW-Empfang ist erstaunlich gut mit einer Antenne, auf die ich eher zufällig gekommen bin. Sie ist am 240-Ohm-UKW-Antenneneingang des Radios angeschlossen.



An der einen Buchse hängt ein etwa 1,5 Meter langer Draht, der hinter dem Regal und der Ziegelwand nach unten geführt ist. Vermutlich wirkt dieser Draht irgendwie als Gegengewicht. An der anderen Buchse hängt der blaue Draht, der hinter der Rückwand des Radios zu einer Schleife gebogen ist, wie auf dem Foto zu sehen. Interessanterweise lässt sich der Empfang optimieren, wenn man die Form der Schleife etwas verändert.

Die Antenne ist über den gesamten UKW-Bereich erstaunlich empfindlich und ermöglicht bei vielen Sendern einen praktisch rauschfreien Empfang. Dabei handelt es sich eigentlich um eine ziemlich ungewöhnliche und alles andere als lehrbuchmäßige Antennenkonstruktion.



Versuche mit einem klassischen Halbwellendipol oder auch mit einem Faltdipol haben bei mir deutlich schlechtere Ergebnisse geliefert.

Daher meine Frage an die Antennenexperten: Warum funktioniert diese einfache Konstruktion so erstaunlich gut? Welche Rolle spielen dabei der 1,5-m-Draht, die Schleife hinter dem Radio und möglicherweise die Umgebung mit Regal und Ziegelwand? Und warum scheint sich die Antenne durch geringfügiges Verbiegen der Schleife so gut abstimmen zu lassen? Mich würde insbesondere interessieren, was hier HF-technisch tatsächlich passiert.

Bei dem Gerät handelt es sich um einen Luxor Applåd 3891W aus dem Jahr 1958. Das kompakte schwedische Tischradio verfügt neben Lang-, Mittel- und Kurzwelle bereits über einen vollständigen UKW-Bereich von etwa 87 bis 108 MHz. Bemerkenswert ist der damals moderne UKW-Tuner mit einer ECC85 und einer Telefunken-UKW-Tunereinheit mit Variometer-Abstimmung. Mit insgesamt sechs Röhren war der Applåd für seine Zeit technisch recht aufwendig ausgestattet und dürfte auch deshalb einen ausgesprochen guten UKW-Empfang ermöglichen.

Viele Grüße Volker

Zuletzt bearbeitet am 28.08.26 21:07

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28.08.26 23:31
wumpus 

Administrator

28.08.26 23:31
wumpus 

Administrator

Re: Warum funktioniert diese primitive UKW-Zimmerantenne erstaunlich gut?

Hallo Volker,

nicht ungewöhnlich, dass eine Behelfsantenne wie die beiden Drähte, die bei Deinem Beispiel in der UKW-Antennenbuchse stecken (vorausgesetzt es ist ein symmetrischer 240-300 Ohm Eingang), an diesem Ort besser gehen als ein gut abgestimmter 240 Ohm Faltdipol, der frei hängt, aber nicht exakt zum Sender ausgerichtet ist. Eine weitere Möglichkeit für schlechteren Empfang des freien UKW-Dipols kann die Polarisation des empfangenen Senders sein. Ist hier Sender und Empfänger um 90 Grad verkippt, wird eine gute Antenne u.u. schlechter, als besagte Behelfsantenne , die ja irgendeine Polarisation und irgendeine Empfangsrichtung entwickelt hat.

Aussagekräftig wäre nur ein Testaufbau im Freien, innerhalb der Fresnelzone 1. Ordnung kein Hindernis in Richtung Sender, Dipol in mehr als 3 Meter Höhe und weg vom Empfänger, dann hätte die Behelfsantenne hinten am Radio herumgewickelt keine Chance gegen den zum Sender ausgerichteten 240 Ohm Faltdipol an UKW-Flachbandkabel.

Ein richtiger gut bemessener Dipol braucht um optimal zu wirken Freiraum um sich herum, ist das nicht gegeben, kann eine Behelfsantene zufällig in der jeweiligen Ortssituation besser wirken...


Grüße von Haus zu Haus
Rainer, DC7BJ (Forumbetreiber)

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Zuletzt bearbeitet am 28.08.26 23:38

29.08.26 06:05
Volker 

500 und mehr Punkte

29.08.26 06:05
Volker 

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Re: Warum funktioniert diese primitive UKW-Zimmerantenne erstaunlich gut?

Hallo Rainer,

danke für deine Antwort. Ich hatte das vorab mit der KI Claude.ai diskutiert und die zusammengefasste Erklärung von ihr lautet wie folgt:

"Die Antenne funktioniert vermutlich deshalb so gut, weil sie den eigentlich für symmetrische Speisung ausgelegten 240-Ohm-Eingang bewusst unsymmetrisch anregt und dadurch das gesamte leitfähige Umfeld zur Mitstrahlung anregt. An der einen Klemme hängt mit dem 1,5 Meter langen Draht ein Element, das bei UKW-Wellenlängen von 2,8 bis 3,4 Metern nahe der Halbwellenresonanz liegt und damit selbst schon recht wirksam ist. An der anderen Klemme sitzt die zur Schleife gebogene Litze, deren isolierte, nur verdrillte Enden einen kleinen kapazitiven Nebenschluss bilden. Dieser bestimmt zusammen mit der Schleifenform die effektive elektrische Länge und Reaktanz dieses zweiten Einzeldrahts, weshalb sich schon durch leichtes Verbiegen die Abstimmung spürbar verschieben lässt. Weil beide Seiten unterschiedliche, unsymmetrische Gebilde sind, fließen zwangsläufig Gleichtaktströme über Chassis, Verkabelung und vermutlich auch über die Ziegelwand ab. Das dahinterstehende Metallregal dürfte dabei kapazitiv mitkoppeln und die effektive Strahlerfläche zusätzlich vergrößern, während die Holzdecke darüber kaum eigene leitfähige Struktur beisteuert.

In Summe entsteht so ein breitbandiges, vielresonantes Gebilde, das über das ganze UKW-Band verteilt einigermaßen gleichmäßig Signal einsammelt, was einem sauberen, aber schmalbandigen und richtwirkungsbehafteten Dipol an diesem Standort unterlegen bleibt. Dass der Empfang dabei subjektiv rauschfrei wirkt, liegt zusätzlich an der ECC85-Vorstufe des Geräts und am Capture-Effekt der Frequenzmodulation, der oberhalb einer gewissen Schwelle Fehlanpassungen ohnehin hörbar verschwinden lässt."


Ob die Schlussfolgerungen von Claude in allen Punkten richtig sind, sei dahingestellt. Aber es klingt plausibel. Meine Lehre daraus: Bevor man lange theoretische Überlegungen anstellt, einfach machen und ausprobieren. Dabei kommt es nicht auf das optimale Ergebnis an, sondern auf ein brauchbares. Wenn die gewünschten UKW-Stationen stabil und rauschfrei ohne Störungen zu empfangen sind, ist das Ziel für mich jedenfalls erreicht.



Viele Grüße Volker

Zuletzt bearbeitet am 29.08.26 06:08

29.08.26 11:14
WalterBar 

500 und mehr Punkte

29.08.26 11:14
WalterBar 

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Re: Warum funktioniert diese primitive UKW-Zimmerantenne erstaunlich gut?

Hallo zusammen,

angeregt durch diesen Beitrag habe ich heute morgen die Resonanzfrequenz
der eingebauten Geräteantenne (240 Ohm, dünnes Alublech innen ins Gehäuse
getackert) meines Graetz Musica 1016 gemessen: 81,3 MHz.
Wenn ich die Geräte wegräume, die auf dem Graetz stehen, steigt die Resonanz-
frequenz um 2 MHz. Wahrscheinlich kämen weitere 2-3 MHz hinzu, wenn das
Radio nicht wie im Moment auf einem Fernschreiber stehen würde.



Das Radio steht im Dachgeschoss mit Richtung Süden freie Sicht. Bei Überreichweiten
konnte ich in der Vergangenheit 500 km entfernte schweizer Sender hören.

Gruss
Walter

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UKW-Geräteantenne Graetz Musica 1016 Resonanzfrequenz.jpg UKW-Geräteantenne Graetz Musica 1016 Resonanzfrequenz.jpg (2x)

Mime-Type: image/jpeg, 217 kB

29.08.26 11:27
basteljero 

500 und mehr Punkte

29.08.26 11:27
basteljero 

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Re: Warum funktioniert diese primitive UKW-Zimmerantenne erstaunlich gut?

Moin Volker,

Zitieren:
"Bevor man lange theoretische Überlegungen anstellt, einfach machen und ausprobieren"

Das schreibt nun einer, der über umfangreiche Kenntnisse im HF-Bereich verfügt.

Wollte jemand, der sich in ähnlicher Lage befindet und beispielsweise einen externen Dipol
plant, aber nur wenig Grundlagen-Wissen hat:

Dann ist es schon ratsam, sich Wissen anzueignen, beispielsweise, in dem man das Projekt
der KI vorlegt.
Wahlloses Herumprobieren führt selten zum Erfolg. Wie wollte man durch reines Probieren
gleichzeitig die Anpassungs- und die Längenfrage lösen, gleichzeitig darauf kommen,
dass ein dünner Draht schmalbandiger ist als ein dickes Alu-Profil ?
Das wäre aus meiner Sicht ein aussichtsloses Unterfangen.
Mit KI-Unterstützung lassen sich viele fehler-Faktoren eliminieren. in diesem Projekt
benutzt: ("Dipol-Antennen für Dampfradio")
https://www.wumpus-gollum-forum.de/forum...&thread=127
Mit dem Problem konfrontiert, hat die Google KI folgendes ausgespuckt und näher
erläutert:
Zitieren:
Wenn Sie ein UKW-Radio (ca. 90 MHz) statt im Freien in einem Keller betreiben, verändern sich die elektromagnetischen Feldlinien dramatisch. Die Feldlinien werden durch die Gebäudestruktur stark gedämpft, verzerrt, reflektiert und teilweise vollständig blockiert. Während sich die Wellen im Freien als relativ ungestörte, ebene Fronten ausbreiten, entsteht im Keller ein hochkomplexes und deutlich schwächeres Feldmuster.
("Google-KI" (noch ohne Randbedingung "Holzbalkendecke")

Die nachfolgende Antwort wurde mit der Zusatz-Info "Holzbalkendecke" noch etwas präzisiert.


Gruß nach Schweden
Jens

Zuletzt bearbeitet am 29.08.26 21:50

29.08.26 11:42
wumpus 

Administrator

29.08.26 11:42
wumpus 

Administrator

Re: Warum funktioniert diese primitive UKW-Zimmerantenne erstaunlich gut?

Hallo zusammen,

in Radios eingebaute UKW-Dipol-ähnliche Antennenkonstruktionen sind verkürzt (also keine echten /2 Gebilde). Schon das verringert den Wirkungsgrad. Dann sind diese internen Antennen auch zumeist gewinkelt. Ergebnis: Kompromiß-Antennen, aber sie können an einem Ort besser funktionieren als ein echter "erwachsener" Vollformat-Dipol, der Geräte-extern ungünstig aufgehangen wurde.

Ein gut positionierter echter 240-Ohm-Dipol wird aber die Kompromiß-Antenne übertreffen. Da ein solcher echter Dipol effektiv ist, ist er eben auch empfindlich gegenüber Störzonen im Raum. Vor- und Nachteil zugleich.

Na ja, zu den KI-Theorien: Versuch macht klug. Meine Erfahrungen sind: Die Praxis arbeitet manchmal anders als die Theorie. In Häusern und Wohnungen gibt es diverse Störeinflüsse . Oft reicht es hier ja aus, das Radio um 30 cm zu verschieben und schon ist der Empfang gut oder schlecht. Auch das Umhergehen ändert den Empfang.

Kommt auch darauf an, wie der Antenneneingang des Radios geschaltet ist. Hat das Radio einen eigenen UKW-Eingang oder ist es ein Kombi-Eingang auch für LMK. Kann der Eingang umgeschaltet werden?

Das alles, verbunden mit vom Anwender geschaffenen Eigen-Antennen, führt nicht selten zu merkwürdigen Empfangsergebnissen, insbesondere wenn zu empfangene Sender weiter entfernt sind und vielleicht auch die Topographie herausfordernd ist.

Eines ist klar: Die Welle kann krumme Wege gehen


(Die 8 Meter Kabel gelten für
UKW-Detektor-Nutzung)


Grüße von Haus zu Haus
Rainer, DC7BJ (Forumbetreiber)

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Zuletzt bearbeitet am 29.08.26 11:56

29.08.26 12:41
regency 

500 und mehr Punkte

29.08.26 12:41
regency 

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Re: Warum funktioniert diese primitive UKW-Zimmerantenne erstaunlich gut?

Hallo Volker und alle zusammen, ich mache gerade wieder Versuche mit einer Kombiantenne für das E- und das H-Feld für UKW- Detektorempfang, was deiner Konstruktion ähnelt: eine Stabantenne speist am kalten Ende einer abgestimmen Loop ein. Diese Kombination könnte auch bei deiner Konstruktion eine Rolle spielen.
Viele Grüße,
Jan (Regency)

29.08.26 13:12
WalterBar 

500 und mehr Punkte

29.08.26 13:12
WalterBar 

500 und mehr Punkte

Re: Warum funktioniert diese primitive UKW-Zimmerantenne erstaunlich gut?

wumpus:

... in Radios eingebaute UKW-Dipol-ähnliche Antennenkonstruktionen sind verkürzt (also keine echten /2 Gebilde).


Hallo Rainer,

in meinem Fall (Musica 1016) ist die Antenne für Lambda/2 eher zu lang, weil die Resonanz unterhalb des UKW-
Bandes liegt. Die Alu-Konstruktion besteht aus 2 Platten 10cm breit und 23cm lang im Top, zu den Seiten gehen
winklig jeweils 2 Streifen von 3 x 43cm zum Boden. Rechnerisch sind das 132 cm = 2,6m Wellenlänge. Allerdings
verstimmt das Radiochassis die Resonanz massiv nach unten. Wahrscheinlich hat Graetz das mit Absicht gemacht,
Resonanz würde eine Frequenz zu sehr hervorheben.

Gruss
Walter

@Volker:

Dein Behelfsantennenkonstrukt wird rein zufällig besser für die Polarisation der ankommenden Welle im
Keller passen. Diese wird weder horizontal noch vertikal sein. Impedanzmässig kann die Fehlanpassung
auf den 240 Ohm Eingang kaum grösser sein. Es ist möglich, dass die Kapazität durch die Schleife hier
etwas hilft. In meinem Keller läuft ein altes Autoradio. Der Anschluss ist mittelohmig koaxial. Die Draht-
antenne musste ich auch mit einer vertikalen und horizontalen Komponente versehen.

Zuletzt bearbeitet am 30.08.26 10:19

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