Reparaturpraxis: Wie vermeidet man einen kapitalen Netztransformator-Schaden
Hallo liebe Radiofreunde:
nichts ist ärgerlicher als ein durchgebrannter Netztransformator. Die Ersatzbeschaffung ist meist schwierig, mit hohen Kosten verbunden oder gar unmöglich. Der folgende Tipp soll helfen, dass es erst gar nicht soweit kommt. Netztransformatoren sind normalerweise recht robust, weil - von wenigen Ausreissern abgesehen - gut dimensioniert. Dennoch gelingt es durch gezielte oder unbewusste Handlung, diese zu zerstören. Dazu zählt zum Beispiel der Einsatz einer falschen, zu starken Sicherung. Stöhn... der Trafo hat dann die Sicherung geschützt Besonders beim Neuerwerb eines Gerätes ist es dringend anzuraten, mit dieser sehr einfachen Maßnahme festzustellen, ob im Bereich des Trafos bereits ein Kurzschluß vorliegt und Misstrauen eine Option ist:
Man nehme eine Glühlampe von 40 bis 60 Watt mit Fassung, daran zwei Strippen mit Abgreifklemmen anschließen. Sicherung aus dem zu untersuchenden Gerät entfernen, die Lampe stattdessen an der Sicherungshalterung anklemmen. Trafo sekundär vollständig abklemmen. Diagnose bei stromversorgtem und eingeschalteten Gerät: > Lampe bleibt dunkel, glimmt allenfalls ganz leicht bei abgedunkelter Umgebung: Netztrafo 99%ig in Ordnung > Lampe leuchtet kräftig bis voll hell: Netztrafo hat Wicklungsschluß, ist also defekt.
So lassen sich die meisten Trafoschäden vermeiden. Gegen eine Vorschädigung durch unsachgemässe Behandlung ist man natürlich nicht gewappnet.
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Re: Reparaturpraxis: Wie vermeidet man einen kapitalen Netztransformator-Schaden
Hallo an alle
Ergänzend zu Jürgens Kontrollmethode empfehle ich jedem Neubesitzer eines Röhrenradios aus x-ter Hand, vor der Inbertriebnahme das Gerät stromlos zu öffnen, um den internen Gesamtzustand zu ermitteln. Dazu gehört die Kontrolle der richtigen Sicherung und die vorsichtige Entfernung von Mulm oder starkem Schmutz, dabei keine Drähte abreißen. Ist der Gesamtzustand normal, die richtige Betriebsspannung eingestellt und keine aufgeplatzten Kondensatoren oder durch Überlastung verfärbte Widerstände zu erkennen, kann man das Gerät kurzzeitig unter Beobachtung des Inneren in Betrieb setzen. Nach kurzem Betrieb das Radio vom Netz trennen und den Trafo auf die Erwärmung anfühlen. Ob mit dem Glühlampentest oder der Vorsorgekontrolle sollte jeder Neubesitzer wissen, daß die Bauteile vor allem im Bereich der höheren Spannungen oder der Betriebsspannungerzeugung kritisch auf richtige Funktion und Zustand zu überprüfen sind. Hier treten an den Block- und Siebkondensatoren häufig Kurzschlüsse oder Kapazitätsverluste auf. Richtig ist auch beim Betrieb des Radios die Spannungen an den einzelnen Stufen nach vorhandenem Schaltplan nachzumessen. Hierfür bedarf es neben den erfoderlichen Messmitteln einiger Kenntnisse oder der direkten Hilfe eines versierten Fachmannes aus dem WGF oder der Nachbarschaft. Je nach Qualität des Empfangs kann der Neubesitzer zum Erwerb von Ersatzröhren gezwungen sein. Bei Allstromgeräten oder Geräten mit serienbeheizten Röhren ist die Zustandskontrolle besonders zu empfehlen. Also nicht gleich den "Oldtimer" anschließen, sondern erst mal reinschauen, sonst wird aus der Freude durch den Schaden Frust.
Re: Reparaturpraxis: Wie vermeidet man einen kapitalen Netztransformator-Schaden
Hallo zusammen,
eine weitere Möglichkeit, unbekannte Geräte in Betrieb zu nehmen, stellt die Verwendung eines Stell(trenn)trafos dar. Mit ihm lässt sich langsam die Spannung erhöhen und dabei i.d.R. die Stromaufnahme überwachen. Wer ein derartiges Teil besitzt, ist fein heraus, zumal auch der Sicherheitsaspekt der eventuellen Netztrennung positiv zählt. Derartige Geräte werden gelegentlich in der Bucht angeboten.
Re: Reparaturpraxis: Wie vermeidet man einen kapitalen Netztransformator-Schaden
Hallo die Runde, Radio´s die lange gestanden haben sollen vor Inbetriebnahme den Lade- und Siebkondensator prüfen ob er noch brauchbar ist. Es gibt viele Möglichkeiten den Elko zu prüfen, bei mir hat sich folgendes Helferlein bewährt.
Helmut
Blau an Masse, rot an den Ladekondensator. Da die Schaltung sehr hochohmig ist, sie liefert nur 20mA Strom, ist sie bedingt kurzschlußfest. Durch die Einweggleichrichtung wird der Elko stoßweise geladen, das sogenannte formieren. In der Zwischenzeit kann mit einem Messgerät die Spannung an allen Kondensatoren gemessen werden, die von der Gleichspannung versorgt werden. Ein Kurzschluß kann so leicht gefunden werden und der Elko wird in der Zwischenzeit auch geprüft.
Der Helfer beim Prüfen von alten Papierkondensatoren
Re: Reparaturpraxis: Wie vermeidet man einen kapitalen Netztransformator-Schaden
Hallo,
Da kann ich nur zustimmen. Ich habe solche Geräte auch immer erst mit der halben Spannung angeschlossen damit sich die Elkos in Ruhe neu formatieren können. Außer bei den netzseitigen Sicherungen, sollte man auch bei den Anodensicherungen keine Experimente mit anderen Werten versuchen. Bei Allstromgeräten bitte nicht nur die Röhren , sondern auch auf den Urdox achten. (Spezialbauteil das den Einschaltstromstoß auffängt). Im kalten Zustand ziehen die Endröhren nämich so viel Strom daß sie die Vorstufenröhren "wegrauchen" würden.
Außerdem gibt es unter Bastlern die Unsitte, alte Elkos durch viel zu große zu ersetzen weil dadurch angeblich der Klang besser wird. Bei Geräten mit direkt geheizten Gleichrichterröhren kann das aber gewaltig nach hinten losgehen. Nicht umsonst findet man in alten Büchern außer Maximalstrom und Spannung auch die maximalen Werte für die Lade und Siebelkos.
Bei Geräten aus dem amerikanischen Raum habe ich die Beobachtung gemacht, auch wenn die eine 220 Voltwicklung haben, werden die sehr heiß da der Kern oft zu klein ist, eben auf 60 Hertz berechnet. Hier sollte man im Dauerbetrieb Messungen vornehmen vor allen wenn die Dinger auch noch gekapselt sind. Moderne Trafos vertragen einiges aber alte Trafos haben noch Wicklungen mit Schellackisolierung und die wird sehr schnell weich.
Gruß otti
Vielen Dank DC1MF,
Da Du auch auf die Papier Kondensatoren eingegangen bist, noch ein Tipp. Besonders bei Allstromgeräten wurden die Elkos zusätzlich mit kleinen Kondensatoren gebrückt, die haben es in sich. Aus der ehemaligen DDR Produktion rate ich dringend alle diese Dinger auszutauschen die aus einem Glasrohr bestehen und an den Enden mit Teermasse vergossen sind, das sind wahre Firecracker. Mir ist selbst 2 Mal so ein Teil explodiert und an der Nase vorbeigeflogen. Ich bin heute noch froh daß ich keine Augenverletzung davon getragen habe.
Re: Reparaturpraxis: Wie vermeidet man einen kapitalen Netztransformator-Schaden
Hallo zusammen,
zunächst einmal vielen Dank für Eure Gedankengänge und Einschätzungen. Wieder ein Beweis für die fruchtbare Zusammenarbeit im WGF.
Damit der Kern dieses Threads nicht aus dem Fokus gerät: Die Grundidee ist, mit einfachen Mitteln gefahrlos einen Defekt im unmittelbaren Bereich des Netztrafos, ihn selbst eingeschlossen, aufzufinden.
Beispiel Nummer eins: Mir ist es schon passiert, dass ein Trafo nach langsamem Hochfahren am Regeltrafo zunächst völlig unauffällig war. Nach einer halben Stunde, noch während der Fehlersuche (nicht im Netzteil!), passierte es dann: Übel riechender Rauch quoll hervor. Schuld war der Trafo, der vorher messtechnisch einwandfrei ok war und erst nach der Einwirkung der Betriebsspannung plötzlich schwach wurde (Durchgeschlagene Anodenwicklung). Sehr bequem und ohne weitere Gefahr konnte der "Übeltäter" mit Hilfe der Vorschaltlampe eindeutig identifiziert werden.
Ein anderes Beispiel: Durch die Praxis sehr vorsichtig geworden, betrieb ich ein frisch erworbenes und bereits durchgesehenes Radio mit einer 100-Watt-Vorschaltlampe. Zunächst lief der Apparat auch einwandfrei, die Lampe glimmte ganz leicht vor sich hin. Nichts deutete darauf hin, was kurze Zeit später passieren sollte. Nach rund zweieinhalb Stunden Betriebszeit wurde die Lampe ganz langsam, fast unbemerkt, etwas heller. Am Empfang war jedoch nichts Auffälliges feststellbar. Eine weitere Stunde später gingen in mir die Alarmglocken los. Die Lampe leuchtete mittlerweile orangefarben und es brummte plötzlich aus dem Lautsprecher sehr deutlich. Das Gerät sofort ausgeschaltet und am Trafo fast die Finger verbrannt. Schuld war ein Siebelko, der trotz Formierung seinen Geist aufgegeben hatte. Ohne Vorschaltlampe wäre aber der Trafo vermutlich abgeraucht.
Re: Reparaturpraxis: Wie vermeidet man einen kapitalen Netztransformator-Schaden
Hallo Jürgen,
Deine Erfahrungen kann ich gut nachvollziehen. Elektrolytkondensatoren können sich wirklich wie Zeitzünderbomben benehmen, man weiß nie wann sie hochgehen. Allerdings kann man auch nicht verallgemeinern. Ich gebe mal ein Beispiel. Ein Tektronix- Oszilloskop aus der Röhrenzeit war nachweislich etwa 20 Jahre nicht mehr in Betrieb. Ein Probelauf unter voller Spannung war ohne jede Zwischenfälle und das Teil funktionierte wie am ersten Tag.
Ein Blick ins Gehäuse erklärte mir auch warum. Hier wurde nur das Beste vom Besten verarbeitet. Leiterplatten aus Keramik mit aufgedampften Silberleiterbahnen usw. Dagegen kenne ich Firmen die damals schon die Überdruckventile an Elkos einsparen wollten. Ein solcher Elko hat beim Sterben die Implosion der Bildröhre in einem Fernsehgerät verursacht weil der Alumantel die Röhre ausgerechnet am Übergang vom Bildteil zum Hals getroffen hat.
Lange Rede kurzer Sinn, mir ist noch kein Trafo wirklich endgültig abgeraucht. Aber Aufmerksamkeit ist halt geboten. Nur übertreiben bringt auch nix, dann dürften wir unsere Geräte ja gar nicht mehr ans Netz hängen. Defekte Kondensatoren oder ähnliches waren ja zu den Zeiten als diese Geräte hochmodern, auch keine Ausnahme. Was ich damit sagen will, wir dürfen nicht davon ausgehen daß unsere Lieblinge vor 40, 50, 60 Jahren ohne jede Problem gelaufen wären. Einziger Unterschied zu heute. Damals war eine Reparatur normal, heute ist Wegwerfen und Neukaufen angesagt, denn Geiz ist ja Geil.
Re: Reparaturpraxis: Wie vermeidet man einen kapitalen Netztransformator-Schaden
Hallo zusammen, so macht jeder seine Erfahrungen. Der Testbetrieb an der Netzspannung kann nur unter Aufsicht durchgeführt werden. Wenn ein Gerät mal 14 Tage im Testbetrieb gelaufen ist, passiert meist nichts mehr.
Re: Reparaturpraxis: Wie vermeidet man einen kapitalen Netztransformator-Schaden
Hallo an alle
Wie sich aus den Berichten aller Beteiligten herauskristallisierte, genügt es nicht allein, das Augenmerk nur auf die vordergründige Funktionalität des Netztrafos zu richten. Dieser Tests ist nur ein Teil der Realität, da wie hier beschrieben der Trafo nach anfänglichem Normalverhalten urplötzlich "abrauchen" kann. Wer an alten Radios länger seine Freude haben will, der tut gut daran, nach einer vorherigen Zustandsinspektion tiefgehender zu kontrollieren, alle Kondensatoren im Versorgungs- und Leistungsbereich zu überprüfen und je nach Alter gleich auszutauschen. Die Kontrolle des Netztrafos mit der Vorschaltlampe ist noch kein dauerhafter Beweis für seinen gewünschten intakten Zustand, sondern nur ein Einstieg. Es geht doch eigentlich um die Herstellung der Betriebsbereitschaft eines alten Radios, da lohnt es auf alle Fälle noch genauer hinzusehen. So meine ich, daß hier weitere Ergänzungen dem Thema entsprechen und guttun. Da läuft themenbezogen auch nichts aus dem Ruder, wenn die ergänzenden Erfahrungen Mehrerer hier platziert sind.
Re: Reparaturpraxis: Wie vermeidet man einen kapitalen Netztransformator-Schaden
Bin aus lauter Neugier hier neu im Forum. Bei alten Radios weiß man nie wie trocken sie gelagert wurden. Der Staub und eventuelle Feuchtigkeit können enem Trafo leicht den Garaus machen. Hilfreich könnte hier ein Isolationstester sein. Wichtig! Mit der kleinsten Prüfspannung anfangen. Sollte sich schon bei 100 Volt ein zu kleiner Iso-Widerstand ergeben, unter 100 MOhm, Trafo ausbauen und in Spiritus ausschwenken. Nach dem abtrocknen den Trafo bei 100 Grad Celsius mehrere Stunden in einen Backofen geben.