22.02.26 14:44
Volker  500 und mehr Punkte

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Re: Altes Ericsson Kurbeltelefon
Hallo zusammen,
die Sache nimmt Fahrt auf. Jemand, den ich kenne, hat die Spracherkennung mit Vosk bereits umgesetzt. Jetzt geht es darum, dass Asterisk nach dem Abheben des Hörers reagiert und eine vordefinierte Nummer wählt. Laut Claude Sonnet 4.6 soll das gehen und man spart sich die Hardware mit dem DTMF-Tonwahl-Generator und man muss nur den Kurbelgenerator abklemmen. Die Frage ist, ob die leichtgewichtige Vosk-Spracherkennung auch Namen erkennt wie "Bitte verbinden Sie mich mit Kalle Anka".
Telefonieren ohne Tastenblock oder Wählscheibe ist für uns fast schon undenkbar. Aber: Die Einführung der Wählscheibe wurde laut ChatGPT mit gemischten Gefühlen betrachtet. Hier ein paar typische Reaktionen und Anekdoten aus den ersten Jahrzehnten der Wählscheiben-Telefone, vor allem aus den USA und etwas Europa:
1. **Verunsicherung und Angst vor Fehlern:** Viele Leute drehten zuerst die Zahlen sehr vorsichtig, aus Angst, die Mechanik kaputtzumachen. In einigen Städten gab es Berichte, dass Leute die Scheibe „nur bis zur Hälfte“ drehten oder den Finger zwischendurch rauszogen – was natürlich die Verbindung verhinderte. Besonders ältere Menschen fanden die Selbstwahl einschüchternd.
2. **Anfänglicher Widerstand – „Früher war alles besser“:** Manche Kunden meinten, die alte Vermittlung sei viel bequemer, weil man sich nicht um Nummern kümmern musste. Es gab sogar Briefe an die Telefongesellschaften mit dem Tenor: „Warum soll ich jetzt alles selbst machen?“
3. **Werbefilme und Demonstrationen:** Die zeigten Telefongesellschaften in kurzen Clips Schritt für Schritt: Hörer abheben, Finger in die Scheibe, bis zum Anschlag drehen, zurücklaufen lassen, Ton abwarten, weiterwählen. Oft gab es in den Filmen auch Szenen, in denen Kinder das Gerät problemlos bedienten – um zu zeigen: „Es ist gar nicht schwer.“
4. **Stolz und Status:** Manche Leute waren aber auch stolz: Wer die Wählscheibe bedienen konnte, war „modern“ und „technisch versiert“. In einigen Gegenden erzählte man, dass Kinder ihren Eltern zeigen mussten, wie man richtig wählt – das war wie ein kleines Statussymbol.
5. **Praktischer Nutzen:** Bald merkte man: Selbst wählen geht schneller als über einen Vermittler, man ist unabhängiger und kann sofort anrufen, ohne warten zu müssen. Für Leute, die viel telefonierten, war das am Ende ein echter Vorteil.
In Summe: Anfangs Unsicherheit und Skepsis, später Stolz und Akzeptanz. Es war ein Paradigmenwechsel vom Service zum Selbstbedienen, und die Werbung half enorm, die Hemmschwelle zu senken.
Spannend ist, dass Innovationen damals wie heute – und wohl auch künftig – zunächst auf Ablehnung stoßen. Vermutlich, weil das Gehirn erst umdenken muss, was anfangs Kraft und Energie kostet, bis das Neue zur selbstverständlichen Routine wird, auf die man nicht mehr verzichten möchte. Mir geht es nicht anders. Anfangs hatte ich das Smartphone wegen der umständlichen Bedienung abgelehnt. Jetzt will ich darauf nicht mehr verzichten. Ein Leben ohne Smartphone kann ich mir nicht mehr vorstellen. Damals musste man nach dem Weg fragen, Telefonzellen aufsuchen und wenn man eine Frage hatte, ging man in die Bibliothek. Heute habe ich sogar einen Sprachübersetzer in der Hosentasche.
Daniel Kahneman ist ein Psychologe und Nobelpreisträger, bekannt für seine Forschung über menschliche Entscheidungsprozesse und Urteilsfehler. Laut Daniel Kahneman gibt es zwei Denksysteme:
System 1 – das schnelle Denken: automatisch, intuitiv, emotional, spart Energie. Du benutzt es, um Alltagssituationen schnell einzuschätzen, z. B. Gesichter erkennen oder einfache Entscheidungen treffen.
System 2 – das langsame Denken: bewusst, logisch, anstrengend. Es wird aktiviert, wenn du etwas Neues lernst, Probleme löst oder genau rechnen musst.
Das Problem bei Innovationen ist oft: System 1 sagt „kompliziert, unbequem, lieber bleiben wie gehabt“, während System 2 erst aktiv werden muss, um umzudenken. Deswegen kostet es am Anfang Energie, bis Neues zur Routine wird.
Viele Grüße Volker
Zuletzt bearbeitet am 22.02.26 14:57
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