Siemens & Halske Kurzwellen Detektorempfänger mit Germaniumdiode 1946
Hallo zusammen,
In der Serie der Siemens Notgeräte 1945/46 gibt es außer den fest abgestimmten Geräten (Berlin-Stecker) noch den Kurzwellen Detektor mit der Bezeichnung Ruf-Empfänger 101 T 11 GW 14141. Dieser war wohl einer der ersten Detektoren mit Germaniumdiode.
Einige Kenndaten:
14 Windungen, CuL 0.8 mm D=22 mm , Keramischer Scheiben-Trimmer 20-160 pF, Wellenbereich 19 bis 50 Meter. Wie ich aus der mitgelieferten Dokumentation erfuhr gab es eine weitere Variante des Gerätes mit 12 Windungen und einem Trimmer 20-180 pF. Der Durchmesser des Gerätes beträgt 54 mm, Höhe 32 mm und ist 60 g schwer.
Das Innenleben:
Die Germaniumdiode trägt die Aufschrift "G 5" und auf dem Antennenkondensator (Das ist im Bild nicht ganz zu sehen) steht oben "10" und unten "Din". Ich kenne die Bedeutung nicht aber vielleicht sind 10 pF gemeint? Laut Schaltung sollten es eigentlich 5 pF sein.
Die Schaltungen:
Ich habe den Detektor am gestrigen Abend ausprobiert. Als Hörer diente ein klassischer 2000 Ohm Kopfhörer. Trotz bescheidener Antenne konnte ich einige Stationen hören allerdings mit Erdung. Am lautesten (wie so oft) Rumänien und China. Der Detektor arbeitet einwandfrei und erscheint relativ Trennscharf. Ich musste den Abstimmknopf sehr vorsichtig bedienen um den besten Punkt zu treffen.
Ich erhielt noch eine Bedienungsanleitung und habe eine Abschrift erstellt:
SIEMENS - KURZWELLEN-DETEKTOR-EMPFÄNGER
Einige nützliche Winke
Nach Anschluß einer Antenne an die dafür vorgesehene Buchse ist das Gerät empfangsbereit. Durch Drehen des Knopfes stellt man die gewünschten Sender ein. Die Feldstärken einiger Kurzwellen-Sender sind in Berlin meist ausreichend, um einen Detektor-Empfang auf Kurzwellen zu betreiben. Die Empfangs-Feldstärken sind von der Tageszeit und von der Wetterlage stark abhängig. So kann es sein, daß es heute sehr guten Empfang und morgen kaum Empfang gibt. Das ist nicht zu ändern, da der Detektor-Empfang keine Verstärkungsreserven zum Ausgleich solcher Schwankungen besitzt. Je nach Tageszeit ist die Lautstärke auf den einzelnen Frequenzbändern verschieden. Im Sommer wird der Empfang meist nur bei Nacht möglich sein. Hier ist tagsüber das 20-m-Band, bei Nacht das 25-m und 31-m-Band das geeignetste zum Empfang. Im Winter ist bei Tag das 25-m und 31-m-Band verhältnismäßig gut, bei Nacht vor allem das 49-m-Band. Bei Kurzwellen tritt eine ganz ausgeprägte Schwunderscheinung auf, vor allem beim Übergang vom Tag zum Nacht-Empfang. Diese Schwunderscheinungen sind nicht zu beseitigen und werden auch bei höchstwertigen Superhets nicht vollständig ausgeglichen. Man kann jedoch häufig durch Übergang auf ein anderes Band schwundärmeren Empfang betreiben. Die Möglichkeit des Empfanges hängt stark von der Lage der Wohnung und vor allem von der Antenne ab. Als Antenne kann an sich jede Antenne, wie zum z.B. Lichtantenne, Telefonkabel, Zimmerantenne und Hochantenne, verwendet werden. Der Empfang wird um so besser, je weiter ab die Antenne von den sie umgebenden Häusern liegt. Am besten ist immer eine Hochantenne, deren Länge auf etwa 15 bis 20 m einschließlich Zuleitung bemessen wird. Es ist sehr schwierig, für Kurzwellen eine gute Erdleitung zu bauen. Gasleitung und Zentralheizung sind fast immer unbrauchbar, und auch die Wasserleitung zeigt bei längerem Wege durch das Haus des öfteren Störungen. Deshalb ist bei diesem Gerät auf eine Erdung verzichtet und die Anordnung so getroffen worden, daß bei Ankopplung der Antenne ohne die Erde die größte Lautstärke-Erhöhung bewirkt. In manchen Fällen kann es vorkommen, daß eine Erdleitung eine geringfügige Lautstärke-Erhöhung bewirkt. Um dies festzustellen, kann man versuchsweise an die rechte Telefonbuchse eine Erdleitung anlegen. Die Abstimmung ist weitgehend unabhängig von der Antennenart. Die weißen Markierungspunkte auf dem Apparatedeckel mögen als Anhaltspunkte dafür dienen, wo Kurzwellen-Rundfunkempfang zu erwarten ist. Selbstverständlich liegen zwischen den Bändern noch eine große Anzahl Telegraphie-Sender, die dem des Morse-Alphabets Kundigen allerlei interessante Nachrichten zu übermitteln vermögen.
SIEMENS & HALSKE AG BERLIN-SIEMENSSTADT
Viele Grüße Alex
Man weiß nie, ob etwas funktioniert, bevor man es nicht ausprobiert (Professor Elihu Prudence)
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Re: Siemens & Halske Kurzwellen Detektorempfänger mit Germaniumdiode 1946
Hallo Axel, Glückwunsch zu dem Detektor. Die Frage taucht auf, wie er einzuordnen ist. Im Funkschau-Sonderdruck 1947/03 "Zeitgemäßer Detektorempfang" ist ein Siemens-KW-Detektor aufgeführt mit der Bemerkung "Sonderanfertigung aus Germanium".
Was auch immer damit gemeint ist, 1946 würde man irgendwelchen Kram aus Wehrmachts-Radargeräten erwarten oder dergleichen.
Nachtrag: Anderer Ansatz: Würde der Siemens-Techniker 1946 mit einem so wertigen Dioden-Bauteil einen Detektor für den Straßenverkauf konstruieren ? Oder eher HF-Tastkopfe oder dergleichen ? In die Zeit um1954 mit der angelaufenen industriellen Fernseh-Produktion würde das schon eher passen. Da finden sich viele Radios und Fernseher mit den noch teuren Germanium-Dioden. h t t p s://www.worldradiohistory.com/INTERNATIONAL/Funktechnik/50s/Funktechnik-1951-19.pdf#search=%22Germanium%22]https://www.worldradiohistory.com/INTERN...%22Germanium%22[/url] (1951 !) h t t p s://www.worldradiohistory.com/INTERNATIONAL/Funktechnik/50s/Funktechnik-1954-24.pdf#search=%22tekade%22 h t t p s://www.worldradiohistory.com/INTERNATIONAL/Funktechnik/50s/Funktechnik-1955-13-Rundfunkempfanger.pdf#search=%22GE-Diode%22 In diesem Zeitfester könnte man sich gut vorstellen, dass da Dioden aus der regulären Produktuon, welche die Specs nur knapp verfehlten ohne unbrauchbar zu sein, in anderen Bereichen noch verbaut wurden.
Recheche im Netz aber mühsam und zäh, in der "Funkgeschichte" ist ein Detektor mit Siemens Richtleiter ("vermutlich RL1") abgebildet und beschrieben. h t t p s://www.radiomuseum.org/lf/dwl/7939/fg_110_rm.pdf Informativ, aber auch sehr umfangreich diese Dissertation zum Thema der Richtleiter- und Transistor-Entwicklung anhand von Biographien, man stößt auf Namen wie Welker h t t p s://files01.core.ac.uk/download/pdf/36459559.pdf Zitat:
Zitieren:„Der Federträger aus Neusilber trug eine angeschweisste, gewendelte Feder aus Molybdändraht (0,08 mm Durchmesser) mit angeschliffener Spitze (90°). In einer Einstellvorrichtung wurde die Kristalloberfläche mit der Federspitze nach einem Punkt günstiger Gleichrichtung bei ± 1 V abgesucht und dann der Federträger in das Gehäuse gelötet.
Bei einem Glasgehäuse von Hand mit einfachsten Mitteln einfacher machbar?